Samstag, 1. September 2012

Gedanken an den Marsch auf Berlin - das ist jetzt schon zwei Jahre her!

"Schon Ende August, auf der Fahrt von Süden hoch, waren wir plötzlich eines Morgens in Nebel eingehüllt aufgewacht, fröstelnd in den Schlafsäcken zwischen Auto und Maisfeld. Im Freien konnte man auch bei gutem Wetter jetzt nicht mehr schlafen. Die Zeitungen rochen anders. Alles war beschlagen in der Frühe, taub. Offensichtlich war jetzt Schluß mit irgendwelchen Provisorien. Bringen sie die neue Ordnung in das Leben, lautete der Zeitbefehl, und wir mühten uns entsprechend."

Rainald Goetz Kontrolliert Seite 64

Kommentare:

  1. "Seit Wochen saßen wir im Regen im knöcheltiefen Schlamm auf dem teuersten, verlottertsten, heruntergekommensten Zeltplatz dieser ganzen gräßlichen Reise, außerhalb der Mauern des äußersten Rings einer von Autos und Menschen zu verstopften, stinkenden, widerwärtigen Stadt, ausgeschlossen, im Wald, hingefesselt an tropfende, dreckige Abwasserrohre im verwahrlosten Waschraum, inzwischen schon selber Verwahrloste, an denen ausgeleierte Kleider kleben, stinkend. Ich habe nie behauptet, daß ich abenteuertauglich bin. Ich will nur zwei Dinge, eine saubere Dusche, täglich frische Unterwäsche und einen Nichtschlamm vor dem Bett, das von mir aus eine Matratze voll Luft sein kann in einem Zelt, das bitte dicht sein soll." (Ebenda, Seite 168/169)

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  2. "Ich habe nie behauptet, daß ich weg will von daheim, im Gegenteil, ich will daheim sein, wo es sauber ist und im Bad nach besten Seifen und Essenzen riecht, verstanden. Ich hasse Dreck und Schlamm und weichen Baatz und alles das. Ich brauche Ordnung um mich rum und möglichst weite Ferne vom nächsten Nähesten in einer möglichst fernen Ferne, alles andere macht mich verrückt. Das muß doch zu begreifen sein, auch noch vom allerletzten Trottel, oder etwa nicht, oder was, wie, was, Ruhe hier, sonst mache ich hier einmal Ordnung, daß es kracht." (Ebenda, Seite 169)

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