Dienstag, 5. Juli 2011

Das Geräusch des Gleichgewichts

Vor meinem Fenster schrie ein Mann:

„Man tröpfelte ins Essen mir ein Gebräu,
damit ich nichts fühle, die Sauhunde!“

An jenem Tag fiel der erste Schnee.

Mit dem Kopf stürzte eine Frau gegen das Fenster,
des Gleichgewichts wegen, des Gleichgewichts vor dem Fenster.

Ich hörte das Geräusch des Gleichgewichts.

Das Wasser war voller Schwäne! Es gab kein Wasser mehr!
Ein Tummeln!

Es war sonst kein Laut zu hören, der gerecht worden wäre
Den geforderten Opfern.

Die meisten gingen fahrend, mit fahrenden Füssen (des Eises wegen, des Eises wegen)

Landein, landaus: - - -

Sie, Sie da -

Vor dem Fenster schlug sich ein Mann nun des Öfteren ins Gesicht.
Er zögerte vorher, es geschah wie ein Schluck.
Er wehrte sich stumm gegen seine Hand.

Was machte sich breit?

Ich war hinter dem Fenster, ich kam hinter nichts.

Was machte sich breit?

Wir waren ja verwickelt...

Ich sah es nicht richtig.

Kommentare:

  1. Ist das eigentlich auch in

    Alle Gedichte: Band 1. Adalbert Spichtig.
    Mit einem Vorwort von Sascha Macht.
    Uerste Verlag 2011, 945 S., 24,90 €

    erschienen?

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  2. Da die fleißigen Drohnen des Uerste-Verlags in der Hoffnung auf baldige Festanstellung ein erschöpfendes Sach-und Personenregister für besagtes Buch angelegt haben, wage ich zu behaupten, dass es sich bei oben abgedruckten Gedicht um brand new stuff aus dem Ü100-Werk von Adalbert Spichtig handelt.
    Vielleicht wird er sich noch selbst äußern. Nein, nein, besser ist's er spart sich den Lebenshuch für noch mehr neue Gedicht, jeden Tag eins.

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  3. Herr Becker, vergeben Sie mir meine grammatischen Verfehlungen. Ich bin, wie Sie wissen, ein großer Verehrer des Herrn von Spichtig und wenn ich über ihn schreibe, da zittert mir das Händlein, als wär ich schon alt, so alt, entsetzlich alt. Ich bin noch ganz jung!

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  4. Spichtig? Pah! Längst verdorrt und spindeldürr sitzt er in seiner Berghütte, Fliegen und Vögel im Haar, und krächzt die letzten Verslein in ein Tonbandgerät, das niemals ausgeschaltet wird. Schreiben kann er ja schon längst nicht mehr, das hab' ich gesehen, jawohl!

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  5. Sehr geehrter Herr Sascha Macht,

    ich danke Ihnen herzlich, dass sie das Vorwort zu

    Alle Gedichte: Band 1. Adalbert Spichtig.
    Uerste Verlag 2011, 945 S., 24,90 €

    geschrieben haben. Sie haben alles verstanden.

    Mit freundlichen Grüssen,

    Adalbert Spichtig

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