Sonntag, 20. Februar 2011

Samstag, 19. Februar 2011

Schluss



Hiermit erkläre ich die Tierwochen auf
dem Untergehenden Schiff für beendet.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Seine Exzellenz Wurmhardt III., König von Wriezen an der Alten Oder

Nachtrag zum Kommentar von Katja Thomas zum Post von Sascha Macht vom Donnerstag, den 17. Februar 2011

Von den neun bösen Räubern,

ihrem plötzlichem Verschwinden und

ihrer schrecklichen Rückkehr

in naher Zukunft


In Weikersheim, im Frankenland,

Ein Haus des Grafen Stöößchen stand.

Dort wohnten einst, zu Goethens Zeit,

Neun wilde, böse Räubersleut‘.

Die Katze still im Fenster saß

Und auf der Wiese schiss der Has‘,

Der Ahornbaum im Wind sich wog,

Als ’s diese Neun nach Franken zog:

Sie war’n gekommen, um zu saufen,

Sie war’n gekommen, um zu raufen,

Sie wollten unsere Stadt verheeren,

Mit unsrem armen Vieh verkehren,

Sie wollten unsre Alten treten

Und nimmermehr zum Heiland beten!

Doch eines Tages, eiderdaus,

Stand leer das infernalisch‘ Haus.

Es heißt, ein UFO wär‘ gekommen

Und hätt‘ die Neune mitgenommen.

Oh Herr, wir armen Frankenleute,

Wir fürchten diese Neun noch heute.

Denn nun verdichten sich die Zeichen

(Blut tropft, oh Graus!, aus alten Eichen,

Und auch die Kinder gehn umher

Des Nachts, als wenn es Tage wär‘).

So scheint’s, als kommt die Höllenmeute

Zurück nach Franken, und zwar heute!

Nie haben wir einmal gesündigt

Und doch haben sich angekündigt

- Mit Megafon, mit Stift, mit Stock -

Die neun Matrosen von dies‘ Blog!

Sie sind die Ahnen jener Quäler.

Laut heult Gesang durch unsre Täler,

Das Reh im Wald steht still und schweigt,

Der Ahornbaum im Sturm sich neigt,

Die liebe Wiese zittert schon

Und ständig geht das Telefon.

Das End’ ist nah. Die Erde bebt.

Weh dem, der jetzt und heut‘ hier lebt.

Zwar sind noch manche von uns munter,

Doch bald schon fällt der Mond herunter.


Dr. Guntram Feilbe (*1926), Weikersheimer Heimatdichter

Demnächst!



Montag, 14. Februar 2011

Seine Nase


"Christian hatte das Fahrrad die Stufen in den Park hinuntergetragen, den man in der Vertiefung eines alten Kanalbeckens hinter der Kirche angelegt hatte, Laubengänge an den Backsteinmauern, Kieswege, Blumenrabatten, und jetzt saßen sie auf einer der Bänke, die in den von Efeu und Weinlaub dichtumrankten Gängen standen, das Rad gegen die nächste Stütze gelehnt. Wäre es heller gewesen, hätte er den Schweißfilm auf ihrem Hals und ihrem Gesicht sehen können, die Schweißflecken unter ihren Armen, ihre nackten Füße scharrten leise über den Kies, die Sandalen hatte sie auf dem Gepäckträger eingeklemmt. Was ist mit dir? Sie nahm ihre Brille ab und legte sie an den Rand der Bank. Nele, du Schöne. Ihr Kopf, der mit einem Mal auf seine Schulter sank und sich dann zu ihm hob. Ihre Haare kitzelten ihn an der Wange, auf seiner Stirn, er spürte, wie eine lose Strähne über seine Augenbrauen und seine geschlossenen Lider strich. Ihre Haut war ganz heiß, blieb immer wieder an seiner kleben, geöffnete Lippen, eine gewölbte Unterlippe, eine Weichheit, die sein Kinn ertastete, verschlang, kratzige Bartstoppeln, Schweiß, den sie ableckte, seine Nase, seine Schläfen, die Stirn, zitternde Hände, die ihm die Brille abzogen und ins Gras fallen ließen, um ihn dann an sich zu drücken, ihre Hände an seinem Kopf, umfassten seinen Kopf, kämmten durch seine Haare, während ein Bein über seinen Schoß kroch, bis sie auf ihm kniete, ein reißendes Geräusch, als risse ihr Rock ein, fest gespannt an ihren Schenkeln, riss ein, rutschte hoch, ihre Bluse, unter der seine Hände ihre Hüften und ihren Rücken streichelten, sprang auf, sprang weg, und Nele befreite ihn von seinem Hemd, zerrte es ihm über den Kopf und sank, stürzte, fiel auf ihn herab, ihn umarmend, ihn an ihre Brust pressend, keuchend, lauter keuchend, wie Christian keuchte, als er die Träger ihres BHs herunterstreifte, das elastische Material der Schalen, sich in den Ärmeln ihrer Bluse verheddernd, ihre nackten Schultern dann, ihre schwere Brust, die sich an ihm, an seiner Brust quetschte, rieb, Lippen, die an Lippen saugten, Spucke, Spuckefäden, Feuchtigkeit von Zungen, heftig schluckend, alle beide.

Sie nahm es in die Hand, dass er in sie hineinrutschte, ihn führend, während sie das gespannte Gummi ihrer Unterhose beiseitezog, ein Scheuern an seinem Fleisch, ein schmatzender Ton, mit dem es geschah, und ein Innehalten, ein Zucken in ihrem Innern, bevor sie sacht vor und zurück schaukelten, anfingen, langsam vor und zurück und hin und her zu schaukeln, sie mit ihren Armen um seinen Hals und seine Schultern. Und er mit seinen Armen um sie, aneinandergeklammert, wie man sich nur fest aneinanderklammern kann, die ersten und die letzten Menschen, erste und letzte Atemzüge, seufzend, nach Luft schnappend, Bäuche, Becken, Schambeine, die voreinanderstießen, sich aneinanderrieben in der Finsternis dieses Laubengangs, ein Gleiten und Glitschen, sich aufbäumende und wieder zusammenstürzende Bewegungen, einknickende und sich wieder aufrichtende Leiber. Neles in den Nacken gelegter Kopf entblößte ihm ihre Kehle, die zum Zerreißen angespannten Sehnen ihres Halses, die er mit seiner Zunge ertastete, eine ihrer Brüste unter seiner Handfläche, zwischen der weitgeöffneten Spanne seiner Finger und seines Daumens, dessen Kuppe einen harten, in unfassliche Weichheit eingebetteten Punkt streichelte, umkreiste, mit der anderen Hand ihren Hintern stützend, ohne die Freiheiten ihrer Lust einzuschränken, ein Sichdrehen auf ihm, fast ein Röcheln, in das sie verfiel, nach und nach stärker, lauter, bevor es dann plötzlich abbrach, nur noch die Geräusche seines Atems und sekundenlang die eines glitschigen Schabens und Saugens, dem er sich entgegenstreckte, ihren Druck erwidernd, sonst nichts, den Druck, den sie brauchte, für sich, an ihm, bis es soweit war, jetzt, jetzt, und Christian spürte mit allen Fasern, wie sie sich um ihn schloss und öffnete und wieder schloss, noch fester schloss, aufschluchzend, als würde sie einen Anfall haben, einen Krampf, der sie in seinen Armen durchschüttelte, während er, nicht mehr anders könnend, Nele nun mit beiden Händen packte, um in sie hineinzustoßen, unkontrollierte Laute aus seiner Brust, ein hochkochendes Reißen, das sich bald in Schüben in sie ergoss und ergoss und ergoss, aus ihr rauslief, überall zwischen ihren Beinen war, auf ihnen, der Bank, auf der sie sich zitternd aneinanderklammerten, für Minuten umklammert hielten, indes Nele den geöffneten Mund, die weichen vollen Lippen tonlos an seine Wange presste, ihr warmer Atem auf seiner Haut."

(Ulrich Peltzer - Teil der Lösung)

Mittwoch, 9. Februar 2011

Aus der Rede zur Verfasstheit der deutschen Jugend

"...wenn man seine Nachkommen allerdings in einen Haufen Scheiße hineingebiert, dann braucht man sich auch nicht darüber zu wundern, dass die Nachkommen keine Lust verspüren, in diesen Scheißhaufen auch noch Wurzeln zu graben. Das ist ja schon fast unverschämt, wenn man sich da wundert, meine Damen und Herren..."




(Abb.: Wurzelgraben, pantomimische Darstellung)

Das Große Gespräch über die Zukunft (II)

"Auch Ephraim Gothe lässt den Blick schweifen und findet keinen Halt. Auf sein Fahrrad gestützt steht der Baustadtrat des Bezirks Mitte auf einer dieser großzügigen Treppen am Hauptbahnhof, die teils ins Leere führen und teils ins Chaos. Gothe blickt nach Norden zur künftigen Europacity, über der sich Kräne drehen und Krähen krähen."

(c) Tagesspiegel, Stefan Jacobs

Die Neuen Hosen

Dienstag, 8. Februar 2011

DAS WASSER BRACH DIE SCHINDELN AUF

SOVIEL RUHE BRAUCHT EINER NOCHMAL

SOVIEL ZEIT, WIE DIE WITTERUNG

BIS SIE ENDLICH DURCHKOMMT DURCHS DACH

Mittwoch, 2. Februar 2011

Zur Versteigerung kommt...


Katalognummer 54






Photographie aus dem Nachlass von James Joyce,
umseitig beschriftet: "Strizzi (heart)"


Startgebot: 30 Euro

Freitag, 28. Januar 2011

04.01.2011

Behinderter irrte vier Tage durch Berlin Passant fand Vermissten und ermittelte Familie

Am Silvestertag war Paul B. zu einem Spaziergang aufgebrochen. Er ist leicht behindert. Er hat den Weg zurück zur Wohnung der Eltern in der Charlottenburger Hektorstraße nicht mehr gefunden. Vier Tage blieb der 33-Jährige verschollen. Die Eltern hatten eine Vermisstenanzeige aufgegeben, der Vater hatte das ganze Viertel nach ihm abgesucht. Am Montag ist B. in Steglitz wieder aufgetaucht. Ein Passant hatte ihn mit nach Hause genommen.

Doch bleibt die Frage, wie ein Mensch in einer so belebten Stadt wie Berlin verloren gehen kann. Die Polizei sagt, dass der Mann die meiste Zeit im Europacenter verbracht habe. Der Wachschutz des Einkaufszentrums hat ihn dort sogar zweimal gesehen.

Das ergaben Recherchen des Managements des Einkaufszentrums, nachdem B. wieder gefunden worden war. In der Kneipe Bit-Stop hatte er ein Bier getrunken. Er habe mit sich selbst geredet, das sei den Wachmännern aufgefallen, sagt der Manager des Europacenters, Uwe Timm. Doch weil er „weder hilfsbedürftig noch irritiert“ gewirkt habe, hätten die Männer vom Sicherheitsdienst ihn nicht angesprochen.

Dass ein Gast Selbstgespräche führe, komme „leider öfter vor“ – so erklärt Mario Grimm, der im Bit-Stop kellnert, warum in der Kneipe keiner B. geholfen habe. Das Bit-Stop sei eine Touristenkneipe, fast keine Stammgäste. Gerade wenn dort so viel los sei wie zu Silvester, achte man nicht auf einzelne Gäste.

Die weitere Odyssee des Mannes durch Berlin ist schwer zu rekonstruieren. Die Eltern reden nicht mit der Presse, und die Polizei weiß wenig. Sie ermittelt nicht weiter, da B. letztlich nichts zugestoßen ist. Im Europacenter kann er seine Nächte nicht verbracht haben, obgleich das Einkaufszentrum rund um die Uhr geöffnet ist. Vier Wachmänner laufen Streife durch das Gebäude, an Silvester waren es sogar sechs. Wer sich zum Schlafen dort einrichtet, wird des Hauses verwiesen.

Es war in der Schlossstraße in Steglitz, als die Selbstgespräche des 33-Jährigen einen Passanten schließlich doch alarmierten. Der Mann nahm ihn mit nach Hause. B. sagte ihm dort, dass er einen Bruder in Charlottenburg habe. Nach vielen weiteren Fragen fand der Mann die Telefonnummer des Bruders heraus. Am Montag um 21 Uhr wurde B. seinen Eltern übergeben.

(c) Tagesspiegel


Donnerstag, 27. Januar 2011

Zum Tod von Bernd Eichinger


"Der Bernd war ein ganz Großer. Es tut mir wahnsinnig leid."

Musikproduzent Ralph Siegel

Zum Tor von Julian Draxler


"Wenn ich das jetzt beschreiben sollte, es ist einfach unmöglich."

Shootingstar Julian Draxler

Mittwoch, 26. Januar 2011


Ha!

Dienstag, 25. Januar 2011

Solidaritätserklärung

Wir, die Matrosen des Untergehenden Schiffes, erklären hiermit und für alle Zeit feierlich unsere Solidarität mit den saufenden, prügelnden, stehlenden, meuternden Marinesoldaten des Segelschulschiffs „Gorch Fock“, da uns das Saufen, Prügeln, Stehlen und Meutern als einzig zumutbare Beschäftigung erscheint, der man ober und unter Deck einer stolzen, von Wellen und Wind gepeitschten Stahl-Bark mit dem Zeitwert (Stand: 2007) von 50 Mio. Euro, fahrend unter der Flagge unserer glorreichen Republik, geflissentlich und mit reinem Gewissen nachgehen kann. Ahoi, aye-aye, aloha!