Posts mit dem Label Der Krieg im Garten des Königs der Toten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Der Krieg im Garten des Königs der Toten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 30. Dezember 2015


Der Krieg
im Garten
des Königs
der Toten

Dienstag, 30. September 2014

Donnerstag, 14. August 2014


Der Film Letzte Landschaften des Belgiers Buster Lee, der eigentlich Noël van den Bosch hieß und nach seiner flüchtigen Karriere als Regisseur eine nationalistische Partei für die Unabhängigkeit der Wallonie gründete, besteht gänzlich aus animiertem Kartenmaterial, auf dem sich fortlaufend die menschlichen Ansiedlungen, Ländergrenzen, Biotope und Kontinente einer fremden Welt verschieben, während eine weibliche Erzählstimme Passagen aus einem Buch vorliest, das sie als Dritter Kodex des trauernden Wanderers und der ihn umgebenden Natur bezeichnet, eine Sammlung verschiedener aufwendiger Menüs, deren Hauptbestandteil gebratenes Fleisch ist: Gebirge falten sich zusammen und wieder auseinander, Städte werden gegründet, wachsen und verschwinden, griesgrämige Binnenstaaten okkupieren ihre Nachbarn, dann halbe Erdteile und werden schließlich von internationalen Allianzen in zahlreiche, funkelnde Ländereien zerschlagen, herankriechende Gletscher begraben von Barbaren bewohnte Steppen, Asteroiden schlagen ein, Straßen entstehen, Wälder grünen und werden von der Ödnis geschluckt, tiefe Löcher tun sich auf, Küsten versinken im Meer, und neue Inseln erheben sich aus den Fluten. Der Film hört auf, wie alles aufhört: plötzlich und stumm. Ich überlegte, ob auch Noël van den Bosch als einer dieser bemitleidenswerten Teufel endete, die von einem Attentäter hinterrücks niedergeschossen worden waren, im Treppenaufgang seines Wohnhauses in Lüttich, in einem Sonnenstuhl am Ufer des Bütgenbacher Sees, vor dem verglasten Eingang des Musée de la Photographie in Charleroi oder auf dem Vorplatz der Alten Kommerzkammer im Zentrum von Namur, aber ich konnte mich einfach nicht mehr an sein weiteres Schicksal erinnern.   

Donnerstag, 3. Juli 2014

[...] Der Revolutionsführer Dr. Silvestro blieb lange vor einem krüppeligen Baum stehen und starrte ihn an. Dann trottete er weiter, auf den stillgelegten Springbrunnen zu, ein kurzes Metallrohr, das in der Mitte eines ovalen Bassins aus hellem Beton steckte. Auch das Rohr starrte er lange an, als müsste er sich immer wieder aufs Neue der Anwesenheit einiger Dinge vergewissern, die ihn umgaben. Dieser Mann war am Ende angelangt, schlicht und einfach, oder vielleicht stand er auch kurz davor, neugeboren zu werden, ein riesiger Nachtfalter, der aus dem Kokon seiner Steppdecken brechen würde, jede Sekunde konnte es soweit sein, wer wusste das schon? Trotzdem war es mir unbegreiflich, wie sich eine Befreiungsarmee, deren Kämpfer in diesem Moment die Hänge herab in Richtung Gebirgsvorland kullern mussten, weiterhin auf seinen Namen stützten konnte. Auf dieser Insel gab es nichts zu erobern, nichts zu verteidigen, nichts zu halten und nichts zu holen. Diese ganze Revolution war idiotisch, weil sie zu nichts führen würde, weil ihr ganzer Hintergrund und ihre Stoßrichtung so völlig unklar waren, weil Antoinette von Schenk und X Wohlff und die Soldaten des Freien Gebirges da draußen allein waren, um gegen Emmy Jaeger und ihre Gespenster der Republik zu kämpfen, die ebenso allein waren, und das Schlachtfeld, auf dem sie sich zu treffen hofften, war ein nebliges Moor, das zuerst sie alle und danach sich selbst verschlingen würde, bis es nichts mehr gab außer warme Finsternis, abwesende Sterne und ein Knistern in der Luft. [...]