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Donnerstag, 3. Juni 2010

Die große Gefahr

Die Vorstellung ist absurd, ich könnte für irgendjemanden gefährlich sein. Und wie könnte ich zur Gefahr werden, wenn ich selbst so gefährdet bin, vom Umherreisen und Dableiben, vom Unterwegssein und vom Hiersein; wenn Schuhe eine Gefahr darstellen, da sie mich nicht vor aufragenden Stacheln schützen, wenn Anrufe, Aufrufe, Ausrufe fehlgehen und niemanden erreichen, den sie erreichen sollen. Wenn ich Briefe schreibe, auf Papier, wie ich es lange nicht tat und die Luft um mich wie flüssiges Feuer ist. Wenn ich mich im Wasser nicht erfrischen kann, da ich mit offenen Augen überall blutige Fetzen und helle Krümel umherschweben sehe, und mich mit geschlossenen Augen die stummen Lippen der Fische berühren, die unsichtbar sind, Fangarme, schleichende Körper auf meiner Haut.

Donnerstag, 1. April 2010

Herzogenrath


Wir sitzen hier zu dritt in einer Reihe, vor uns diejenigen, die uns hören werden. Nichts weist sie auf das Kommende hin. Es gibt aber auch noch einen vierten, den sie nicht sehen. Es ist eine jüngere Frau mit einem groben Hut aus braunem Filz; unter dem Rand des Hutes gehen ihre Haare bis über beide Ohren. Sie ist als Ingenieurin in Herzogenrath mit der Herstellung von widerstandsfähiger Hochleistungsleisungskeramik befasst.


Keramik ist der Werkstoff der Zukunft,


Keramik,


keramische Waelzlager, hochtemperaturstabile Fasern, piezokeramische Sensoren und Aktoren, Funktionskeramiken, piezokeramische Multilayer, Bieger und Schichten, die als Aktoren oder Sensoren wichtige Systemfunktionen erfuellen, Blei-Zirkonat-Titanat, Sensoren, Aktren, leitfaehige Schichten, Schutzschichten oder Antireflex-Beschichtungen, aktive, ansteuerbare Fasern, Fasern als integrierter Drucksensor,


insgesamt elektrische, dielektrische, magnetische oder optische Eigenschaften.


Keramik ist der Werkstoff der Zukunft.


Kein anderer Werkstoff kann so extreme Belastungen ertragen.


Keramik war das erste kuenstliche Material, das Menschen schufen, und auch nach etwa 8 000 Jahren ist das Potential nicht ausgereizt.


Wo Metalle und Polymere an ihre Grenzen stossen, erweitern Keramiken die Einsatzfelder,


die Zukunft,


von meinem Fenster aus gesehen


Donnerstag, 11. Februar 2010

Wir sind gegangen auf einer Strasse nahe des Horizontes, den Horizont, den weissen, konnten wir von hier aus nicht sehen, obwohl: vorhin hatten wir ihn gesehen. Oder nicht? Unberechenbarkeit machte sich breit...

Ihr Hüter der Berechenbarkeit

riefen wir in den unseligen, grossen Himmel –

was ist mit euch? Seid ihr des Trostes?

Wir schauten, durch unseren Ausruf in eine andere Stimmung versetzt, längst aber nicht zufrieden und nicht beruhigt, auf unsere Füsse, deren Formen uns plötzlich ergötzten.
Im Grunde aber war kein Wohl in unseren Herzen –
Dass das weisse Band der Ordnung und des Beweises unersichtlich blieb, machte uns schier stibelisinnig -

Ein grosser Raum schien uns zu umgeben, blau und grau, wenige Vögel flogen darin, ein wenig tröpfelte es...die Geräusche waren kostbar – wir lauschten...

das war damals unsere Beschäftigung.

Aus: Erinnerungen an die Unsterblichkeit von Waldemar&Hildegard Herz