Freitag, 15. Juni 2012

„Ich nehme das Gurkensüppchen, das Rinderfilet und ein Stück Schokoladenkuchen auf Sahne.“
„Sehr wohl“, sagte der Kellner.
„Haben Sie auch Rosmarinkartöffelchen?“
„Ja, aber es sind eher Kartoffeln. Keine Kartöffelchen.“
„Ist gut. Die nehm’ ich.“
„Was möchten Sie trinken?“
„Ich glaube, ich nehme die Limonade, die grüne, ‚Jibbyjibby ...’ Wie spricht man das aus?“
„‚Jibbyjibbyjibbjibb-jibbjibb’“, sagte der Kellner mit einer atemberaubenden Schnelligkeit, die einem Kunststück gleichkam.
„Jibbyjibbyjibbyjibby“, versuchte ich es noch einmal.
„‚Jibbyjibbyjibbjibb-jibbjibb’.“
„Jibbyjibb-jibbyjibb?“
„Fast. ‚Jibbyjibbyjibbjibb-jibbjibb’.“
„Jibbyjibbjibbyjibb-jibb-jibbjibbjibb?“
„Üben Sie nur“, sagte der Kellner, „üben Sie nur, Sie bekommen’s schon noch hin.“
„Ach ja“, sagte ich, nachdem der Kellner weg war, und streckte die Beine unter dem Tisch aus.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Heute, auf dem Theaterfestival Neue Stücke aus Europa (1. Tag), waren in der Dokumentartheateraufführung Schwarze Milch (was mich übringens an den Text Milch aus schwarzer Schale von Michael Duszat erinnert, in dem es um Hexerei geht, wie ein bißchen auch in der Inszenierung hier in Wiesbaden und auf ebenfalls dokumentarische Weise, allerdings, wie hier in Wiesbaden am Ende  nicht, auf diese Weise: Dokument+Poesie - wo ist denn dieser Text Milch aus schwarzer Schale, den man, statt diese Inszenierung hier in Wiesbaden zu sehen, einmal und nocheinmal und wieder lesen sollte, wo ist er denn?) waren in der Dokumentartheateraufführung Schwarze Milch die Schauspielerinnen Kühe, die Brüste der Schauspielerinnen waren Euter, denn es war ein Stück über Kühe (in Lettland), und scherzhaft wurden sie, die Kühe in der Inszenierung, von einem der Schauspieler, der ein Bauer war, "Schauspielerinnen" genannt ("Meine Mädels, diese Kühchen, Schauspielerinnen sind das!").

Neben mir sagte ein Greis: "Scheiße, so ein Scheißstück", zwei Stunden lang, doch die Inszenierung endete nicht, sondern ging weiter und weiter, bis sie doch geendet ist.


Perineum


Am 14. Februar hatte ich plötzlich einen Einfall, der mich zu einer seltsamen Entdeckung führte. Ich hielt mir in meiner Wohnung in der Holsteinstraße einen kleinen Handspiegel zwischen die Beine und sah einen Ort, von dem ich nichts wusste. Mir war, als hätte ich diesen Ort, der dort zwischen Glied und Anus lag, noch nie zuvor gesehen, oder wenn ich ihn schon mal gesehen hatte, so hatte ich ihn vergessen über die Jahre, weil er nie erwähnt wurde, immer nur vom Glied gesprochen wurde oder vom Arsch, aber niemals von diesem sonderbaren Zwischenort, Perineum genannt, oder Damm, und ich hatte ihn nie gesehen, weil er sich vor den Blicken, die ja aus meinen Augen oben im Kopf herauskommen wie bei jedem, einfach versteckt hatte über all die Jahre.
Und nun sah ich plötzlich diesen Ort zwischen meinen Beinen, eine Landschaft, die dort in der Abgeschiedenheit prächtig zu gedeihen schien. Wälder wuchsen dort, eine zarte, hügelige Landschaft, in der Tiere weideten, zwischen Auen und Bächen. Über all die Jahre hatte man dort wohl auch Straßen gebaut, Siedlungen angelegt, und war zu einem Wohlstand gekommen, zu einer gewissen Blüte, Städte schossen empor. Und wenn man durch diese Städte hindurchging, über Boulevards und Alleen, so bekam ich den Eindruck, als sei die Bevölkerung hier sehr zufrieden, als fehle es an nichts. Ich ging für eine Weile umher und wunderte mich. Nach dem ich einige Zeit durch die Straßen flaniert war, setzte ich mich dort vor einer Eisdiele ins Freie. Am Nebentisch saß eine junge Frau, die Marina hieß und Deutsch als Fremdsprache unterrichtete, wie sich später herausstellte. Ich erzählte ihr, dass ich diesen Ort erst jetzt entdeckt hatte. Marina sagte, es läge wohl daran, dass die Region in den Medien und somit letztlich auch in der eigenen Wahrnehmung einfach vergessen werde, man einfach nicht von ihr spreche, weil sie in gewissem Sinn identitätslos sei. Man spreche eben entweder vom Meer, vom  Pimmel, von den Alpen oder vom Arschloch, aber nicht von etwas, das sich zwischen diesen Gefilden befinde, was touristisch natürlich eine ziemliche Katastrophe sei. Man versuche das jetzt aber zu ändern, indem man sich bemühe, der Region ein eigenes Profil zu geben, es handele sich ja auch um eine äußerst erogene Zone, das werde oft vergessen. Ja, sagte ich, das habe ich schon bemerkt, als ich hier umhergewandert bin, das hat sich sehr gut angefühlt. Genau, sagte Marina, siehst Du!

Mittwoch, 13. Juni 2012

Mittwoch, 6. Juni 2012






William Byrd (II) of Westover, 4. Mai 1711:

"Ich stand um 6 Uhr auf, las zwei Kapitel auf Hebräisch und ein wenig Griechisch in Lukian. Ich betete und nahm mein Frühstück zu mir. Ich tanzte meinen Tanz. Das Wetter war kalt. Ich schickte das Mädchen mit einem Brief, der von Mr. Perry betr. sein Schiff kam, zu Colonel Hill... Ich beglich meine Rechnungen. Mein krankes Dienstpersonal war wieder gesund, Dank sei Gott dem Allmächtigen. Meine Schwester und Colonel Eppes kamen und blieben zum Essen... Ich las bis zum Abend juristische Schriften und machte dann einen Spaziergang auf der Plantage, um zu sehen, wie alles stand, aber meine Frau blieb zu Hause und war melancholisch. Ich betete, erfreute mich guter Gesundheit, guter Gedanken und war gut gelaunt, Dank sei Gott dem Allmächtigen. Ich blies meiner Frau einen Tusch (d.h. er hatte Geschlechtsverkehr mit ihr)."

(Kindlers Neues Literaturlexikon, Band 21, S. 189)

Dienstag, 5. Juni 2012

Ansage der Kollektiven Speisekammer von und mit Gabriela Oberkofler am 20. Mai 2012 während der Donaueschinger Heimattage in Donaueschingen




 Zur Feier dieses Tages und zum Wohl aller 
brachte Jeanette Ohnmacht aus Hüfingen Sauerkirschschnaps,
Marcel Frey brachte aus Karlsruhe 1 Einmachglas Trauben und 1 Einmachglas Pfirsich,
Jo Winter brachte aus Ammerbuch Krause XXX (getrocknet),
Dr. Elke Schatz brachte aus Villingen-Schwenn eingedünstete Williams Christ und Sauerkirschen,
Herbert Bayer brachte aus Donaueschingen eingelegte Paprika aus Vál in Ungarn, Gudrun Haug brachte aus Tuttlingen Orangenmarmelade,
Annegret Sulzmann brachte aus Hufingen Gepäck aus Marzipan,
und
Angela M. Flaig und Josef Bücheler brachten aus Rottweil Zwetschgenmus,
Dagmar Stark brachte aus Donaueschingen Marmelade Reneklode mit Zimt,
Martina Burger brachte aus Villingen-Schwenningen eingemachte Pfirsische,
Ulrika Murr brachte aus Donaueschingen-Wolterdingen Heimische Mirabellen,
Sigrun Arff-Schenk brachte aus Donaueschingen Fliederbeermarmelade,
und
Wolfgang und Adelheid Karrer brachten aus Donaueschingen Mirabellen-Chutney,
Reinhold Will brachte aus Donaueschingen Zwetschgenmus,
Dr. Angelika Munk-Rombach brachte aus Vöhrenbach Glühbirnen im 1,5 Liter Glas, eingemacht am 29.8.73, altersgemäß abgenutzt, oberste Glühbirne zerbrochen, und ein 1 Liter Weckglas „77er Birnen“ aus dem Haushalt der Schwiegermutter,
und
Dagmar Würthner brachte aus Trossingen 2 Ostereier und 3 Gläser Huflattich, XXXblüten und SpeisemarXXX,
Renate Bohrer brachte aus Königsfeld-Weiler Cantucini-Mandelgebäck, Schlehengelee, Kiwi-Bananen-Konfitüre, Quittengelee, Kompott, eingelegte Früchte, Raimund Oberföll brachte Birnen in Weisswein,
Annette Weyers brachte aus Tuningen Kirsch-Balsam-Essig aus eigener Produktion, das ist die Essigmanufaktur,
und
Sybille Schmid brachte aus Donaueschingen eingelegte weisse Kirschen,
Jutta Jäckel und Werner Barrho brachten aus Tuningen Vollkorn-Emmer-Nudeln,
Horst Fischer brachte aus Donaueschingen Rhabarber-Erdbeer-Marmelade,
Annette Baur brachte aus Donaueschingen Rote Beete,
und
Andreas Schmid brachte Aprikosen-Marmelade,
Eric Thomas brachte aus Donaueschingen Kürbis,
Annette Bikusch brachte aus Villingen Quittenschnitten,
Gerda und Eberhard Schmid brachten aus Donaueschingen eingekochte Mirabellen, und
Dagmar Igel brachte aus Brigachtal Schwarze Johannisbeeren / Jostabeeren-Konfitüre,
Ulrike Ritter brachte aus Donaueschingen 1 Glas Apfel-Konfitüre mit Vanille aus Jakob-Fischer-Äpfeln, Jakob Fischer, auch genannt „Der Schöne vom Oberland“,
und
Christa Maria Zimmermann brachte aus Donaueschingen ein Glas Konfitüre aus Zibarten, das sind Wildpflaumen, und Äpfeln,
Brigitte und Alexander Schmidt brachten aus Radolfzell Apfel-Zwetschgenmus mit Zimt, Quitten-Kürbis-Apfel-Chutney und Peperoncini,
Sabine XXX brachte aus Donaueschingen Zwetschgen-Rum-Topf,
Sigrun Arff-Schenk brachte aus Donaueschingen Fleischsülze,
und
Gabriele Reichle brachte aus Donaueschingen Holunderblütengelee und Holunderblütensirup,
und
die Evangelische Mattäusgemeinde brachte aus Villingen-Schwenningen Marbach selbstgekelterten Rhabarbersekt (Flaschengärung),
und
Dörthe Rothenhäusler brachte aus Villingen-Schwenningen Villingen Orangenmarmelade,
und
Margot Uhner brachte aus Tuttlingen eingeweckte Zwetschgen,
und
Stefan Gsellinger brachte aus Trossingen 1 Glas Honig,
und
Klaus Hoffmann brachte aus Villingen-Schwenningen Villingen 500g grob geschroteten Grünkern,
und
Michaela Tröscher brachte geräucherten Schinken,
Ingrid Schreck
brachte
aus Villingen-Schwenningen Villingen Rhabarber-Marmelade mit Zitrone,
Jeanette Ohnmacht brachte aus Hüfingen Erdbeer-/Waldfrucht-Marmelade,
Monika Marschall brachte aus Waldshut-Tiengen 16 Konfitüren, das sind 4 Muskateller Traubengelee,  1 Holundergelee, 2 Johannisbeergelee, 1 Brombeergelee, 3 Erdbeermarmelade, 1 Brombeer-Apfel-Marmelade, 2 Feigen-Marmelade, 1 Holunder-Birnen-Marmelade, 1 Feigen-Gelee und 1 Quitten-Gelee,
und sie brachte Feigensenf,
Andrea Böhringer brachte aus Waldshut-Tiengen Bio-Apfelmus,
Christine Müller brachte aus Donaueschingen Mixed Pickles,
Germana Metzger brachte aus Donaueschingen Zucchini süß-sauer-scharf, Ingwer Zwiebel Tomate, Kürbis-Ingwer süß-sauer, Johannisbeergelee und Schoko-Kaffee-Cassis-Likör,
Annette Rosenstiel brachte aus Hüfingen Rote Beete,
Klaus Scholl brachte aus Hüfingen Eingemachte Mirabellen,
und
Regina Plaschke brachte aus Donaueschingen Quittenmarmelade,
Claudia Weishaar brachte aus Donaueschingen 2 mal Heidelbeeren in Flaschen,
und
Gertrud und Siegfried Müller brachten aus Donaueschingen Apfelmus, Schlehen-Marmelade und Zwetschgen-Schoko,
Johanna Müller brachte aus Donaueschingen-Wolterdingen selbst eingemachte Mirabellen,
XXX Föhrenbach brachte aus Donaueschingen Quittengelee 2011, Jostamarmelade 2011, Roter Johannisbeersaft 2011 und Frühkirschen 2011,
T. XXX brachte Essiggurken,
Werner Barrho brachte aus Tuningen Urgetreide Emmer und Dinkel als Mehl und Nudeln, das sind 4 mal 800 Gramm Suppennudeln, 3,5 Kilogramm Emmervollkorn, 2,5 Kilogramm Dinkel und 1 Kilogramm Emmer Röhrlenudeln,
T. XXX brachte eingelegte Rote Beete,
Ursula Moch-Weiss brachte aus Donaueschingen eingelegten Knoblauch und Bärlauchpesto,
Gisela Rörch (Stadträtin) brachte aus Donaueschingen eigene Rumzwetschgen und Spezialmarmelade Brombeere / Weisser Rum + Chili,
Ingeborg Käfer brachte aus Brigachtal eingelegte Zucchini mit Curry und Zwetschgen mit Rotwein,
Elinor Verschoor brachte aus Donaueschingen Englische Orangen-Marmelade,
und
Marianne Riedmaier brachte aus Donaueschingen  Apfelgelee mit Schuss, Johannisbeergelee, Quitten, Apfelgelee mit Rosenblüten, Rumtöpfle und Birnen,
Barbara Zimmermann brachte aus Tannheim Rote Beete,
Liane Richter brachte aus Donaueschingen eingemachte Mirabellen,
Tanja Raufer und Lukas Gäbele brachten Zwetschgenschnaps,
und
Bernd und Constanze Amort brachten aus Donaueschingen Holundergelee,
Susanne XXX brachte aus Donaueschingen Bärlauchpesto, das ist Bärlauch in Öl mit Salz,
und
Heidi Kreuß brachte aus Brigachtal eingeweckte Frühpflaumen (säuerlich),
und
Claudia Hennemann brachte aus Donaueschingen-Wolterdingen Preiselbeeren aus dem Bregtal,
und
Christel Lang brachte aus Donaueschingen diverse Lebensmittel im Korb (rosa),
und
Heidi Noack brachte aus Donaueschingen eine Überraschung süßen oder saueren Inhalts,
und
Constance de Wijn
brachte
aus Donaueschingen Scharlotten-
und Feigen-Confitüre (süß-sauer).

(Listenarbeit: Hannes Becker, auf der Grundlange der handschriftlich ausgefüllten Spendenbögen)

Sonntag, 3. Juni 2012

HASS







Der 25 jährige Rudolph Gustav Hass möchte sich, aufgrund eines starken Gefühls in seiner Brust, im Jahr 1917 freiwillig zum Kriegsdienst bei der amerikanischen Armee melden. Es wird ihm aber die Teilnahme an den überseeischen Kampfhandlungen verweigert. Beim Militärarzt heißt es, was sich da geregt habe in ihm könne deutlich hörbar gemacht werden mittels eines herkömmlichen Stethoskops und würde gemeinhin als „murmur of the heart“ bezeichnet (murmur engl. für murmeln, raunen, murren, grummeln), ein Fehler am zentralen Organ, von deutschen Ärzten als „Herzgeräusch“ bezeichnet. Es handle sich dabei, teilte man dem zum bewaffneten Kampf in Europa bereiten Hass mit, um einen Geburtsfehler, der unter Umständen (das sei nicht überprüfbar) zwar verantwortlich sei für die Interpretation des Gefühls in seiner Brust als leidenschaftliche Abneigung, ihn jedoch in jedem Fall für den Militärdienst untauglich mache.
Dem ungeachtet hörte Rudolph Gustav Hass im weiteren Verlauf seines Lebens oftmals noch auf die Eingebungen seines murmelnden Herzens (im 6. Grad sehr laut, mit tastbarem Schwirren und Distanzgeräusch) – verliebte sich bald in seine spätere Frau Elisabeth Schuette und zog mit ihr nach Kalifornien, wo ihm die Züchtung einer neuen Avocadosorte gelang, die heute noch seinen Namen trägt und die, in der Mitte durchgeschnitten, wie die Landkarte des Inselstaates Sri Lanka aussieht. Ein Land, von dem man sagt, sein „Herz“ sei der Pidurutalagala, auch Mount Pedro genannt, ein 2534 Meter hoher Berg im zentralen Hochland, dessen Gipfel als militärisches Sperrgebiet deklariert und der Öffentlichkeit unzugänglich gemacht wurde.

Donnerstag, 31. Mai 2012

Das große Gespräch über die Zukunft (VII)

Ich bin heute hier, um Euch zu sagen, dass ich unaufhaltsam in die Zukunft stürze, ob Ihr dabeiseinwollt oder nicht. Ob Ihr zuhört oder nicht. Das sage ich und sage ich, jetzt und jetzt. Jemand hört zu, es ist immer noch jemand dabei. Vielleicht Ihr, aber wenn Ihr es nicht seid, andere. Manche Ideengeber grüßt man indirekt; nicht alle Zitate sind ausgewiesen - Ihr wisst wer ihr seid. Die Zukunft, in die ich stürze, da sind Menschen, schon jetzt, Menschen mit Ohren, die hier sind. Verbindlichkeit entsteht im Politischen nur, wo gemeinsam gehandelt wird; nicht da, wo jemand sich alleine etwas ausdenkt, es mag so triftig sein, wie es will. [...] Praxis macht politisch klug; Abstinenz von ihr dumm. Der Sturz in die Praxis ist der Sturz in die Zukunft: Auflösung von mir, Verwandlung von mir, da bin ich jetzt nicht mehr so wie jetzt. Ich bin an diese Zukunft gebunden, ABER ich muss so tun, als gäbe es KEINE Zukunft, als sei sie NICHT hier. Als müsste ich jetzt zu Euch sprechen, bin ich nie da in der Zukunft, bin ich nie der zukünftige Mensch. Als stünde ich ausschließlich vor Euch, nur jetzt, und könnte nicht weiter, vor mir das Ende, ein Tod, Ihr, ich, nur privat. Vom Tod, dem Privaten, zu sprechen: Das ist dazu da, die Zukunft zu leugnen, das ist dazu da, das Wort selbst zu leugnen, das davon spricht. (Ihr seid dazu da, die Zukunft zu leugnen.) Und dabei wäre der Tod durch ein einziges Wort von mir an Euch geleugnet, sofort: alles öffentlich, sofort, wenn ich das Wort nur jetzt wirklich sagte, hier, und es nicht nur aufschriebe, und wegwäre. (Ich bin bereits jetzt hineinzerrüttet ein öffentliches Verhältnis zu mir selbst: Text.) Aufschreiben, Wegsein: Das heißt, nur immer zu hören, ohne zu wissen, ob man selbst gehört wird, kein Wissen, nur Hoffnung. Das ist die Stimme, die sagt: Wie peinlich, über etwas, das so viele betrifft, reden zu müssen, als habe man sich bloß privat ein paar Gedanken gemacht. Und die hofft oder nicht, Verwandlung, Auflösung: weiter.

Die Textstellen sind aus dem Buch von Dietmar Dath: Maschinenwinter, S. 14 und 15 

Dienstag, 29. Mai 2012


tiáo

Zähleinheitswort 

(wie bei "drei Stück Veroneser Brullétorte")

für  

Absätze und Paragrafen

Artikel, die in Stangen verkauft werden

Fische

Flüsse und Straßen

Gedanken, Pläne o.Ä.

streifenförmige Gegenstände

schmale und lange Gegenstände

schmale und lange Kleidungsstücke

kleinere Schiffe

lange und schmale Körperteile

Nachrichten

Schlangen


Sonntag, 27. Mai 2012






Ich betrachtete ein Bild an der Wand, es regte mich auf: eine Tonne auf einem Markt, mit vielen Fröschen darin. Bewegte sich da nicht sogar etwas unten in der Tonne im Bild?

Mittwoch, 23. Mai 2012

Das große Gespräch über die Zukunft (VI)



 

"Maybe it all comes down to the same thing, when viewed from a galactic perspective."
Stephen King - The Tommyknockers, S. 459

Montag, 21. Mai 2012

Ein Blick auf das Glück fleissiger Polizisten


In den Bäumen hängen weisse Trompeten
ansonsten gibt es den Fluss.

Eine Ente lacht.

Die angestiefelten Polizisten
finden
nicht ungeahnt...

ein „durchsichtiges Säckchen feinen Heroins“!

Wo?

Im Inneren des in den See Schauers.

Tastend zur Wahrheit gelangt
glänzt der Tag.

Ein warmes Gefühl nach Sinn fächelt,
es kitzelt der Triumph –

Weisse Trompeten hängen in den Bäumen.

Die Polizisten
im Zustand des Glücks
werden ihnen zum ersten Mal gewahr.

Während sie so hören...

Entwischt der Gemeinte in „brenzliger“ Lage?

Jawohl!

Aus einer ständig wechselnden Baumkrone nun äugt er:

„Denn nicht nur ich, auch die Welt
bietet unerwartete Verstecke
für das in Not geratene Glück.“

Die Polizisten pfeifen froh. (Sie haben vergessen, warum.)

Gegenseitig entstauben sie ihre Uniformen mit einer Bürste
am Rande des heiteren Flusses.

Sie fühlen sich gestärkt wie nach einem kräftigen Mahl.
Es komme, was komme.

Sie lauschen der weissen Trompeten Schall.

Sanft kömmt der Schlaf.

Donnerstag, 17. Mai 2012

Heute neu im UNTERGEHENDEN-SCHIFF-SHOP



Teil 2 der 
Die Käte-Hamburger-Postcard-Collection


je Stück 1,40€

auch erhältlich als:
Doppelkarte ohne Umschlag (1,90€) 
Doppelkarte mit Umschlag (2,30€)
Doppelkarte mit Umschlag und Fleck
auf Doppelkarte und Umschlag (2,55 €)

alle Preise zzgl. Versand, Mengenrabatt nach Absprache

Montag, 14. Mai 2012

Heute neu im UNTERGEHENDEN-SCHIFF-SHOP



 Die Käte-Hamburger-Postcard-Collection


je Stück 1,40€

auch erhältlich als:
Doppelkarte ohne Umschlag (1,90€) 
Doppelkarte mit Umschlag (2,30€)

alle Preise zzgl. Versand, Mengenrabatt nach Absprache

Sonntag, 13. Mai 2012

✿✿✿✿✿✿✿ 13. MAI 2012 ✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿ SIGMAR GABRIEL ERHÄLT DEN WORTSPIEL-AWARD DER DEUTSCHEN WURSTHILFE ✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿✿ HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ✿✿✿✿✿✿✿

Dienstag, 1. Mai 2012

Berlin. Unbekannte Pubertierende haben in der Nacht zum 1. Mai die Fassade von Schloss Bellevue mit Farbschmierereien verschandelt. Die Polizeidirektion 3 bittet um sachdienliche Hinweise unter Tel. 030/4664.


© Foto: Stephan Czuratis